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Das große Interview E-Mail

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IRENE GOSEPATH, VORS. DES KINDERSCHUTZBUNDES

Nicht reparieren - mehr investieren Vielen Kindern in dieser Gesellschaft geht es gut, meint Irene Gosepath. haende

Aber das trifft nicht auf alle zu, und diese Kinder bedürfen des besonderen Schutzes und der besonderen Aufmerksamkeit. Kinder brauchen Schutz – diese Aufgabe hat sich der Kinderschutzbund 1953 bei der Gründung gestellt. Das Thema ist heute so aktuell wie damals. „Die Arbeit wird uns nicht ausgehen“, weiß Irene Gosepath, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Gladbeck, im Interview mit WAZ-Redakteurin Maria Lüning.

Wovor müssen Kinder geschützt werden?

Gosepath: Kinder, als schwächstes Glieder unserer Gesellschaft bedürfen auf vielfältige Weise besonderen Schutzes.. Die UN-Kinderrechtskonvention, die Grundlage der Arbeit im Kinderschutzbund ist, sagt: Kinder 'vor Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung zu schützen. Daneben haben Kinder aber auch Versorgungsrechte und Beteiligungsrechte, z.B. das Recht auf Gesundheitssversorgung, auf Bildung, auf freie Meinungsäußerung und kindgerechte Information.

Leben Kinder heute in einer Umwelt, die ihnen gerecht wird?

Gosepath: Nein, ganz sicher nicht., sonst müssten die Mediziner nicht so oft über Kindesvernachlässigung, Misshandlung oder sogar Tötung von Kindern berichten. Dies hat sich grade im letzten Jahr gezeigt. Dies ist ein Versagen der Gesellschaft. Jedes Kind, das misshandelt wird, ist ein Kind zuviel.

Was sind die Ursachen?

Gosepath: Diese Zustände sind Ausdruck einer Verrohung der Gesellschaft und .einer Unsensibilität gegenüber Mitmenschen. Es wird zuviel weggeguckt.

Was brauchen Kinder, um ihren Bedürfnissen gemäß aufwachsen zu können?

Gosepath: Kinder brauchen von Geburt an stabile Bindungen, Gefühle und Beziehungen, damit sich Urvertrauen bilden kann. Die ersten und wichtigsten Beziehungspersonen sind naturgemäß die Eltern; eine intakte Familie bietet meines Erachtens einem Kind die besten Voraussetzungen. Gibt es diese nicht, müssen Strukturen vorhanden sein/geschaffen werden, die dies ausgleichen. So sind auch Einrichtungen und Dienste für Kinder gefordert. Für den „Erfolg" frühkindlicher Erziehungs- und Bildungsprozesse ist diese emotionale Welt von großer Bedeutung. Kinder werden oft als Problem diskutiert.

Beeinflusst dies die Haltung der Gesellschaft gegenüber Kindern?

Gosepath: Ja, leider. Selten wird in unseren Medien das Zusammenleben mit Kindern als Glück und Bereicherung mit all seinen Facetten dargestellt: bunt und schön, natürlich auch manchmal traurig und problematisch.

Sie sprechen als Mutter von zwei Töchtern aus Erfahrung?

Gosepath: Ja, ich weiß, dass man mindestens 18 Jahre lang viel zurückstecken muss. Aber man muss das in die Waagschale werfen, da gibt es so viel Positives wie Negatives.

Sind Kinder ein Kostenfaktor?

Gosepath: Wenn die seelischen Bedürfnisse von Kindern vernachlässigt werden durch Armut, Vereinsamung, Leistungsdruck, geringe Ausbildungschancen, schlechte Entfaltungs- und Spielräume wächst die Gefahr, dass sie als Kostenfaktor empfunden werden. Dies lässt sich am Etat der Jugendhilfe ablesen. Ich wünsche mir weniger Aufwand für Reparaturarbeiten und viel viel mehr Investitionen in die Prävention.

Welche Rolle übernimmt der Kinderschutzbund hier?

Gosepath: Eine hohe fachliche Kompetenz für all die Betreuungsangebote ist unerlässlich und wird von uns eingefordert bei den verantwortlichen Politikern auf Landes und Bundesebene. Vielen Kindern in unserem Land geht es gut. Hilfen anzubieten für Kinder, denen es nicht gut geht und ihre Rechte umzusetzen in unserer Gesellschaft ist und bleibt die Aufgabe des Kinderschutzbundes. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen - und Mitstreiter sind uns willkommen.

WAZ 14.04.07

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 27. Februar 2010 um 16:41 Uhr