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KSB und Jugendamt (1995) E-Mail

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Kinderschutzbund und Jugendamt starten Pilotprojekt Gladbeck.

Vor einigen Jahren noch war die Trennung inklusive Scheidung eines Ehepaares ein regelrechter Skandal. Heutzutage sind eben Scheidungen (leider) zu einem fast täglichen „Geschäft" geworden. Rein statistisch gesehen wird bundesweit jede dritte Ehe geschieden Leidtragende sind hier dann auch immer wieder Kinder, die aus der Ehe hervorgegangen sind. Allein Gladbeck sind es pro Jahr rund 300 Scheidungen von denen auch Jungen und Mädchen betroffen sind.

Seit 15 Jahren ist Wolfgang Schäfer beim städtischen Jugendamt tätig und er wird Tag für Tag mit solchen Fällen konfrontiert. „Besonders in der Zeit des Trennungsstress geraten die Kinder dann oft aus dem Blickfeld der Eltern. Die Trennung von Mutter und Vater ist für die Kinder in der Regel ein einschneidendes Ereignis, das mit Belastungen verbunden ist, die die Entwicklung der Kinder beeinträchtigen können," weiß Schäfer aus Erfahrung zu berichten. In Zusammenarbeit mit dem „Kinderschutzbund Gladbeck" will das Jugendamt nun den Kindern, deren Eltern in Trennung leben oder bereits geschieden sind, eine Hilfe anbieten. So soll mindestens eine Gruppe für Jungen und Mädchen im Alter von neun bis zwölf Jahren eingerichtet werden, in der die Kinder im Rahmen gemeinsamer Spiele und Gespräche erleben sollen, wie andere Jungen und Mädchen ihre neue Lebenssituation bewältigen.

Hierzu Kerstin Fromm, Sozialpädagogin beim Kinderschutzbund: „Wenn sich die Eltern trennen oder scheiden lassen, müssen die Kinder erst einmal neue Erfahrungen machen. Dies ganz besonders, weil sie in der Regel beide Elternteile lieben. In unserer Gruppe sollen die Jungen und Mädchen erkennen, dass andere Kinder, die sich in der gleichen Situation befinden, mit dem neuen Umfeld klarkommen. Man könnte von einer Art Erfahrungsaustausch reden. Auch wollen wir eventuell vorhandene Schuldgefühle abbauen, die bei einigen Kindern vorhanden sind, die sich an der Trennung der Eltern mitschuldig fühlen." Kerstin Fromm und Wolfgang Schäfer machen ausdrücklich darauf aufmerksam, dass das Hilfsangebot für Kinder nicht dafür gedacht ist, die bestehenden Partnerschaftsprobleme der Eltern zu lösen und die Gruppe auch keineswegs als ein therapeutisches, sondern nur als ein ergänzendes Angebot zu sehen ist.

Pro Gruppe stehen maximal acht Plätze zur Verfügung, wobei jedoch Geschwisterkinder nicht zusammen eine Gruppe besuchen dürfen. „Geschwister würden sich wahrscheinlich von den übrigen Kindern abkapseln und die alte Familienhierarchie beibehalten," weiß Kerstin Fromm aus Erfahrung zu berichten. „Wenn Kinder allein in solchen Gruppen sind, verhalten sie sich oft ganz anders." Erstmals treffen soll sich die neue Gruppe am Dienstag, 24. Oktober, von 15.30 bis 17.30 Uhr im Gruppenraum des Jugendamtes in Stadtmitte, Hermannstraße 16. Geplant sind anschließend elf weitere Treffen, die, allerdings nicht während der Herbstferien, jeweils dienstags stattfinden. Pro Kind ist ein Kostenbeitrag von zehn Mark zu zahlen. Kerstin Fromm und Wolfgang Schäfer versichern abschließend, dass man die Kinder keineswegs „manipulieren" wolle. Daher seien auch zwei Elternabende (23. und 25. Oktober) geplant. Weitere Infos zu dem neuen Gruppenangebot gibt es unter  02043/28888 bei Kerstin Fromm * und unter & 02043/992697 bei Wolfgang Schäfer.

Stadtspiegel 13. September 1995
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 19. November 2009 um 09:44 Uhr